Die Familie ist tot, es lebe die Familie - Wie sich die Familie den geänderten Lebensbedingungen der heutigen Zeit anpaßt
 
Prof. Dr. Elisabeth Beck-Gernsheim
 

Die traditionelle Familie, entstanden als vorindustrielle Notgemeinschaft und zusammengehalten durch den Zwang zur Solidarität, verliert zunehmend ihre Monopolstellung. Es wäre aber falsch, daraus auf ihren Untergang zu schließen. Die Familie ist lediglich dabei, sich den geänderten Lebensbedingungen anzupassen. Auch der individualisierte Mensch von heute strebt ja durchaus nach so etwas wie Geborgenheit, Nähe, Bindung. Nur ist diese Bindung, was Dauer und Verpflichtungscharakter anbetrifft, nicht mehr von der Art der traditionellen Familie. Die "postfamiliale Familie" ist nicht Not- sondern Wahlgemeinschaft, in die Einzelpersonen ihre eigenen Interessen, Erfahrungen und Lebenspläne einbringen, aber entsprechend auch jeweils ihren eigenen Kontrollen, Risiken und Zwängen ausgesetzt sind. Dass es unter solchen Umständen, wo nicht mehr auf eingespielte Regeln und Rituale zurückgegriffen werden kann, vergleichsweise sehr viel schwieriger ist, Einzelbiographien zusammenzuhalten, liegt auf der Hand.


 
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