Ordnung aus dem Chaos - Wie organisieren sich komplexe Systeme und wie kann man sie steuern?
 
Prof. Dr. em. Hermann Haken
 

Unsere Kultur sieht Chaos vorwiegend unter negativen Gesichtspunkten. Chaotische Strukturen in Organisationen werden als verhindernd, das Zusammenbrechen einer Ordnung als Katastrophe erlebt. Wir haben aber alle auch schon erfahren, dass aus Chaos und Krise unerwartet eine neue Idee, eine kreative Lösung oder zumindest eine vorher nicht geahnte neue Möglichkeit entstehen kann. Wie erklärt sich dieses Phänomen? Wie entsteht aus Chaos ohne Einwirken von außen Ordnung? Die Natur lehrt uns, dass komplexe Systeme ihre vielfältigen Strukturen spontan aus dem Chaos entwickeln und dass die darin enthaltene Instabilität - die wir so fürchten und so schlecht aushalten - offenbar eine wichtige Voraussetzung für die Lebendigkeit, Veränderung und Weiterentwicklung solcher Systeme ist. Was sind nun die Prinzipien, die der Selbstorganisation von komplexen Systemen zugrunde liegen, und wie lassen sie sich beeinflussen oder steuern? Welche praktischen Schlüsse lassen sich daraus vielleicht für uns selbst und unsere Arbeit ziehen? Was die natürlichen komplexen Systeme angeht, kommt die Forschung zu der überraschenden Schlussfolgerung: nicht Stabilität, Kontrolle und hierarchische Ordnung , wie sie den meisten unserer sozioökonomischen Systemen zugrunde liegen, sind für die Weiterentwicklung maßgeblich, sondern die Instabilität. Liegt hier ein Schlüssel zur notwendigen Veränderung unserer politischen, wirtschaftlichen und sozialen Systeme?


 
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