Die Überwindung des Atomismus - Der Ganzheitsbegriff der Quantentheorie verändert unser Weltbild
 
Prof. Dr. em. Hans Primas
 

Die atomistische Naturphilosophie, Grundlage der physikalischen und biologischen Wissenschaften des industriellen Zeitalters, hat entscheidend zum Siegeszug der modernen Naturwissenschaften beigetragen Sie behauptet, die Materie sei aus kleinsten, nicht weiter zerlegbaren Bausteinen aufgebaut, und dass sich das Naturgeschehen aus den Eigenschaften und den Bewegungen dieser Bausteine erklärt. Die bemerkenswerte Beharrlichkeit, mit der dieses Ziel ohne empirische Beweise über Jahrhunderte verfolgt wurde, zeigt, dass sie nicht in der experimentellen Naturforschung wurzelt, sondern auf uralte archetypische Ideen zurückgeht. Im 20. Jahrhundert, mit der Entwicklung der Quantentheorie, erfuhr das atomistische physikalische Weltbild eine überraschende Veränderung. Die materielle Realität wird nun nicht länger als die Summe von Teilen sondern als ein Ganzes begriffen, in dem alles miteinander in Wechselbeziehung steht. Moleküle, Atome, Elektronen, Quarks oder Strings sind nicht eigenständige Bausteine der Materie, sondern existieren nur dank ihrer Wechselwirkung mit der Umgebung. Angesichts der immer komplexer werdenden Probleme mit denen wir es in der natürlichen und technischen Umwelt zu tun haben, wird der in der Quantentheorie erstmals präzise erfasste Ganzheitsbegriff in Zukunft sicher eine Schlüsselrolle spielen.


 
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