Jugend - die neue Minderheit
 
Prof. Dr. Karl Otto Hondrich
 

Westliche Gesellschaften beziehen ihre Dynamik aus der Steigerung wirtschaftlicher Produktivität. Parallel dazu sinkt die biologische Reproduktionsrate. Die Folge ist: Jugend wird in den modernen westlichen Gesellschaften zu einer Minderheit. Entgegen der vorherrschenden Meinung ist aber nicht eine daraus resultierende sozialpolitische Überforderung der Jugend ("immer weniger Junge müssen für immer mehr Alte aufkommen") das Problem, denn dieses wird seit Jahrzehnten erfolgreich durch den Produktivitätsfortschritt gelöst. Problematisch hingegen ist die Dynamik der Leistungssteigerung, die einen Teil der Jungen überfordert und in die Arbeitslosigkeit führt, sowie das entstandene Ungleichgewicht in den Beziehungen zwischen Jung und Alt. Wichtiger als das Trennende ist das Verbindende zwischen den Generationen geworden, die gemeinsame soziale Klasse, Herkunft und Alltagskultur. Jugend wird nicht mehr ausgegrenzt sondern überintegriert. Was aber geschieht, wenn einer Gesellschaft das beunruhigende und bewegende Ferment der Jugend ausgeht? An die Stelle des Generationenkonflikts tritt die Vielfalt der Klassen-, Geschlechter und Kulturkonflikte.


 
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