Computer mit Seele?
 
Prof. Dr. Dietrich Dörner
Prof. Dr. Joseph Weizenbaum
 

Der Abend stand im Zeichen zweier Protagonisten der KI-Forschung, die sehr unterschiedliche Ansätze vertreten. Der Kognitionsforscher Dietrich Dörner, der das Institut für Theoretische Psychologie der Universität Bamberg leitet, geht davon aus, dass sich auch Seelenprozesse und Gefühle wie Angst, Liebe, Hass nichts anderes sind als Informationsverarbeitungsprozesse, die sich im Computer abbilden lassen. Er ist der Meinung, dass wir auf dem Weg sind, Roboter mit Gefühlen zu konstruieren, da wir über kurz oder lang Maschinen werden bauen können, die mit Willen, Verantwortung und Gefühl, d. h. mit einer künstlichen Seele, ausgestattet sind. Demgegenüber glaubt der Computerforscher Joseph Weizenbaum, der die Entwicklung der Computertechnologie durch seine mehr als 25jährige wissenschaftliche Tätigkeit am Massachusetts Institute of Technology (MIT) maßgeblich mitgeprägt hat, nicht, dass der Mensch "berechenbar" ist. Seiner Meinung nach sind Gefühle und Seele Produkte der gesamten menschlichen Evolutions- und Kulturgeschichte, die größtenteils nicht sprachlich beschreibbar sind und sich deshalb schon gar nicht mit einer formalisierten Sprache wie der Computerprogrammiersprache abbilden lassen. Moderiert wurde diese spannende Kontroverse von dem Hirnforscher Prof. Dr. Ernst Pöppel, der an der Universität München das Institut für Medizinische Psychologie leitet und Vorsitzender des interdisziplinären Humanwissenschaftlichen Zentrums ist.


 
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