Envisioning Information: Das Gehirn imaginiert, der Computer simuliert
 
 
Prof. Dr. Derrick de Kerckhove
 

Visualisierung bezeichnet zum einen das, was wir mit "Imagination" umschreiben, also Bilder, wie sie z.B. beim Lesen eines Buches im Kopf entstehen. Zum anderen meint Visualisierung die "Simulation" von Bildern, wie sie durch Digitalisierung unterschiedlicher Arten von Information auf dem Bildschirm erscheinen. Die Vorgänge sind psychologisch verschieden, haben vom technischen Ablauf her aber durchaus auch Ähnlichkeiten. Beide haben außerdem mit typisch "westlichen" Denkmustern und unserer Tradition des Buchstabenalphabets zu tun. Es wird interessant sein festzustellen, wie die Länder des östlichen Kulturkreises mit ihrer Tradition der Bilderschrift langfristig auf die Entwicklung der neuen Medien reagieren und welchen Einfluss sie auf zukünftige Entwicklungen multimedial vernetzter Technologien nehmen. Die Frage ist außerdem, was in unseren Köpfen geschieht, d. h. wie sich der Umgang mit multimedial vernetzten Medien langfristig auf kognitive Prozesse auswirkt. Schon heute kann man beobachten, dass sich durch die vernetzten Medien viele mentale Strukturen, die bisher dem "privaten" Raum des einzelnen Gehirns vorbehalten waren, auf den Bildschirm verlagern.


 
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