Der alte Kontinent und das Internet - Herausforderungen auf dem Weg zur europäischen Wissensgesellschaft
 
 
Prof. Dr. Luc Soete
 

Das Jahr nach dem "Lissabon-Gipfeltreffen" sollte Europa ein schnelles Wirtschaftswachstum und sinkende Arbeitslosigkeit bringen. Trotz anfänglicher Hoffnungen auf einen europäischen Wachstums- und Produktivitätsvorsprung gegenüber den Vereinigten Staaten, schafft es der alte Kontinent offenbar noch nicht, mit den USA zumindest gleichzuziehen, im Gegenteil: die in den neunziger Jahren entstandene tiefe Kluft zwischen dem Wachstums- und Produktivitätsniveau der USA läuft Gefahr, sich weiter zu verschärfen. Diesem Scheitern liegt zweifellos auch das Versäumnis zugrunde, schnellstens die vielen Hindernisse auf den Gebieten aus dem Weg zu räumen, die für eine Europäische Integration wohl den Kern des neuen Wissens basierten Wachstumspotentials ausmachen: Forschung und Entwicklung, Mobilität des Hochschulpersonals, europäische Integration bei wichtigen Vermittlungsdienstleistungen, von Finanzierungsmodellen, des geistigen Eigentums und viele mehr). Die Chancen stehen gut, wirtschaftliche Effizienzsteigerung und Fortschritt voranzutreiben, da regionale und nationale Unterschiede im Hinblick auf Preise, Produktivität, Löhne, Kapitalgewinne, Steuern und gesetzliche Regelungen augenfälliger werden. Allerdings sollte man nicht erwarten, dass dies eine automatische Effizienzsteigerung zur Folge hat. Vielmehr wird deutlich, dass politischer Handlungsbedarf besteht. Aus diesem Blickwinkel erscheint das Internet ein interessanter Wegweiser zu sein, um neue politische Prioritäten bei der wirtschaftlichen Integration Europas zu setzen. Es kann daher den europäischen Entscheidungsträgern, die unter dem Druck stehen, verbraucherfreundliche Lösungen zu finden, gute Dienste leisten.


 
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